JazzFabrik
Wer Jazz verstehen will, stößt regelmäßig an seine Grenzen. Ähnlich verhält es sich mit dem neuen Album des Reza Askari Roar Quintets, das den kryptischen Titel »xAYb v8v dYAx« trägt. Die Krux dabei: Verstehen lässt sich hier zunächst nichts. Doch vielleicht – und das ist die gute Nachricht – muss man das auch gar nicht.
Denn Askaris Musik ist kein Rätsel, das sich mit dem richtigen Code entschlüsseln ließe. Sie folgt vielmehr ihrer eigenen Logik: Sie verdichtet sich, bricht auf, wiederholt sich obsessiv und findet überraschende Wege aus dem vermeintlichen Chaos, nur um kurz darauf wieder genau dorthin zurückzukehren. Verwurzelt im Avantgarde-Jazz, speist sich der Sound des Quintetts zugleich aus der Energie von Metal und Punk und Bands wie Meshuggah oder The Dillinger Escape Plan – nicht als Stilzitat, sondern als Haltung: komplex, konsequent und in jedem Moment radikal körperlich.
Dass diese Wucht vollständig akustisch entsteht, macht den besonderen Reiz des Ensembles aus. Keine Verstärkerwand, keine elektronischen Verfremdungseffekte, die ein sicheres Versteck bieten würden. Stattdessen eine Formation, die jede Bewegung, jeden Ton und jede Spannung gemeinsam und unmittelbar im Live-Moment aushandelt.
Askari selbst spricht in Bezug auf seine Musik von »kommunikativer Seltsamkeit«. Vielleicht erklärt sich diese Haltung auch durch einen ganz persönlichen Einfluss: seine zweijährige Tochter. Denn sie, so der Kontrabassist, zeige ihm, was es bedeute, ein Punk zu sein – instinktiv, frei und mitunter eigenwillig.
Lina Allemano - tp ; Stefan Karl Schmid - ts, cl ; Reza Askari -b, comp ; Roland Neffe - vib ; Maximilian Stadtfeld